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Grundlagen

VPN und Proxy im Vergleich: Unterschiede und wann sich was lohnt

Kirill Zimin Kirill Zimin

8 Min. Lesezeit

VPN oder Proxy
Inhalt
  1. Ein Proxy gilt jeweils für ein Programm
  2. Ein VPN gilt für das ganze Gerät
  3. Verschlüsselung und was unterwegs sichtbar ist
  4. Bei wem Ihr Datenverkehr landet
  5. Und die Geschwindigkeit?
  6. Vier Situationen aus dem Alltag
  7. Wo Bebra hingehört
  8. Fragen und Antworten

Telegram hat ein Feld für eine Proxy-Adresse, Ihr Browser und die WLAN-Einstellungen ebenfalls, ein VPN dagegen kommt meist als eigene App. Beide schicken Sie über einen fremden Server ins Internet, und so wirkt die Entscheidung „VPN oder Proxy“ wie ein Münzwurf. Das ist sie nicht. Ein Proxy wirkt nur dort, wo Sie ihn einrichten, in einem Programm oder in einem Netz, und verschlüsselt nicht immer. Ein VPN übernimmt den Datenverkehr des ganzen Geräts und verschlüsselt ihn bis zum Server.

Ein Proxy gilt jeweils für ein Programm

Ein Proxyserver ist ein Programm auf einem fremden Computer. Es nimmt eine Anfrage Ihres Programms entgegen, schickt sie in eigenem Namen an die Website und reicht die Antwort an Sie zurück. Adresse und Port des Proxys tragen Sie in den Einstellungen eines Browsers, einer einzelnen App oder des ganzen Systems ein. Ein Programm schickt nur das über den Proxy, wofür es eingerichtet ist, und alles andere auf dem Gerät verbindet sich weiter direkt, mit Ihrer echten Adresse.

Hinter dem Wort stecken mehrere recht verschiedene Dinge.

  • Ein HTTP-Proxy leitet Webanfragen weiter. HTTPS-Seiten funktionieren auch darüber, aber die Strecke zwischen Ihnen und dem Proxy ist meist nicht verschlüsselt.
  • SOCKS5 transportiert mehr als Webseiten, sofern das Programm es unterstützt, und verschlüsselt ebenfalls nichts.
  • Einen transparenten Proxy richtet der Betreiber eines Firmen- oder Campusnetzes ein. Auf dem eigenen Gerät stellt ihn niemand ein, und viele wissen gar nicht, dass es ihn gibt, während er den Datenverkehr des ganzen Netzes filtert oder zwischenspeichert.
  • Ein Proxy in der App steckt in den Einstellungen eines einzelnen Programms. So ist es bei Telegram. Dort lassen sich SOCKS5 oder die hauseigenen MTProto-Proxys nutzen, und auf andere Apps wirkt diese Einstellung nicht.

Ein VPN gilt für das ganze Gerät

Ein VPN setzt beim Betriebssystem an, nicht bei einem einzelnen Programm. Die VPN-App fügt Ihrem Handy oder Computer eine virtuelle Netzwerkverbindung hinzu, und das System schickt den Datenverkehr aller Programme hinein. Foto-Backups, der App-Store, Ihr Mailprogramm und jeder Browser-Tab laufen darüber, und keines davon muss eigens eingerichtet werden.

Die Verschlüsselung gehört zur Verbindung selbst und ist kein Häkchen, das man vergessen könnte. Unser Artikel darüber, wie ein VPN funktioniert, verfolgt eine Anfrage über Ihren Anbieter und den Server bis zur Website und zeigt, was diese am Ende sieht.

Verschlüsselung und was unterwegs sichtbar ist

Weder ein HTTP-Proxy noch SOCKS5 bringt eine eigene Verschlüsselung mit. Wenn Sie darüber eine Seite ohne HTTPS öffnen, können der WLAN-Betreiber, Ihr Anbieter und der Proxy sie lesen. Auf HTTPS-Seiten ist der Inhalt geschützt, der Name der Website geht aber trotzdem im Klartext durchs Netz, denn der Proxy muss wissen, wohin er die Anfrage schicken soll.

Dazu kommt DNS. Bevor Ihr Gerät eine Website öffnet, fragt es nach, unter welcher IP-Adresse sie zu finden ist. Mit SOCKS5 stellt ein Programm diese Frage womöglich am Proxy vorbei, und dann sieht Ihr Anbieter die Namen der Websites, obwohl die Seiten selbst über den Mittelsmann laufen. Firefox schickt DNS-Anfragen seit Version 128 (2024) standardmäßig über SOCKS5-Proxys, viele andere Programme aber nicht. Es lohnt sich also, das zu prüfen.

Manche Proxys verschlüsseln die Strecke bis zum Proxy durchaus, etwa HTTPS-Proxys und Protokolle wie Shadowsocks. Das ist aber eine Eigenschaft des jeweiligen Dienstes, und das Wort „Proxy“ in seiner Beschreibung verrät es nicht. Ein modernes VPN verschlüsselt die Strecke zwischen Ihrem Gerät und dem Server, sodass Ihr Anbieter nur eine Verbindung zu einem einzigen Server sieht.

Bei wem Ihr Datenverkehr landet

Jeder Mittelsmann hat einen Betreiber, der sieht, an welche Websites Ihre Anfragen gehen. Hier unterscheiden sich Proxy und VPN nicht. Wichtiger als die Technik ist deshalb die Frage, wem Sie diese Anfragen anvertrauen.

Am riskantesten ist ein kostenloser öffentlicher Proxy aus einer der Listen, die im Netz kursieren. Forscher aus Griechenland, Zypern und den USA haben zwei Monate lang Tausende offene HTTP-Proxys untersucht und ihre Ergebnisse 2018 auf der Sicherheitskonferenz NDSS vorgestellt. Dabei stellten sie fest, dass 38 % der Proxys die durchgeleiteten Seiten auf irgendeine Weise veränderten. Meist waren die Änderungen harmlos, doch 5,15 % der Proxys schleusten Werbung ein, bauten Tracking-Code ein oder leiteten auf Seiten mit Schadsoftware um. Wer einen solchen Server betreibt und wie er sich finanziert, steht in keiner Liste.

Technisch sieht ein VPN-Dienst genauso viel wie der Betreiber eines Proxys. Der Unterschied liegt darin, dass es ein Unternehmen mit App, Support und Nutzungsbedingungen ist, das Sie bewusst wählen, und keine zufällige Adresse aus einer Tabelle.

Und die Geschwindigkeit?

Das Tempo hängt viel stärker vom Server ab als von der Technik. Ein überlasteter kostenloser Proxy auf einem anderen Kontinent verliert fast sicher gegen ein VPN mit einem Server in der Nähe, ein ordentlicher Proxy im Nachbarland fällt dagegen kaum auf. Auch die VPN-Verschlüsselung kostet Zeit, auf heutigen Handys und Laptops ist das aber winzig im Vergleich zur Verzögerung durch die Entfernung.

Stärker ins Gewicht fällt die Reichweite. Ein Proxy betrifft nur das Programm, in dem Sie ihn eingerichtet haben, ein langsamer Proxy bremst also nur einen Browser. Ein VPN übernimmt Ihren gesamten Datenverkehr, und wenn der Server weit weg ist, wird alles zugleich langsamer, auch das, was Sie nie darüber schicken wollten. Abhilfe schaffen ein Land in der Nähe und Ausnahmen, wie weiter unten beschrieben.

Vier Situationen aus dem Alltag

Ihr Anbieter sperrt eine Website

Greift die Sperre über die Adresse der Website, kommen Sie mit einem Proxy im Browser durch. Ein Filter, der den Datenverkehr untersucht, sieht den Namen der Seite aber auch in einer unverschlüsselten Proxy-Verbindung und kann auch diese Verbindung sperren. Außerdem weiß die App desselben Dienstes auf Ihrem Handy nichts vom Proxy in Ihrem Browser. Über ein VPN kommen Browser und Apps durch.

Kostenloses WLAN im Hotel oder am Bahnhof

Das ist ein Fall für ein VPN. Ein Proxy im Browser bringt nichts für Ihre E-Mails, Ihre Messenger oder das, was im Hintergrund läuft. Mit VPN sieht der Betreiber des Hotspots nur, dass Ihr Gerät mit einem Server kommuniziert, und weiß nicht, welche Dienste Sie nutzen.

Ein Dienst verlangt ein anderes Land

Angenommen, Sie sind auf Reisen und brauchen eine Website, die nur für Besucher aus einem bestimmten Land funktioniert. Öffnet sie sich im Browser, genügt ein Proxy in diesem Land. Geht es um eine App auf dem Handy oder Fernseher, ist es einfacher, ein VPN einzuschalten und dieses Land zu wählen.

Messenger, Spiele und Anrufe

Spiele und Sprachanrufe senden ihre Daten oft über UDP, ein HTTP-Proxy leitet aber nur gewöhnliche TCP-Verbindungen weiter. SOCKS5 unterstützt UDP auf dem Papier, doch nur wenige Programme nutzen das, und viele ignorieren die Proxy-Einstellungen des Systems ganz. Über ein VPN kommen diese Apps meist ohne zusätzliche Einrichtung durch, denn für sie sieht es wie eine gewöhnliche Internetverbindung aus.

Wo Bebra hingehört

Bebra ist eine VPN-App, die Ihrem System ein VPN-Profil hinzufügt. Der Datenverkehr des ganzen Geräts läuft dann über den Server, Browser und Spiele eingeschlossen. Eine Browser-Erweiterung von Bebra gibt es nicht, und Sie brauchen auch keine, denn die App schickt ohnehin jeden Browser durch den Tunnel. Die Version für Ihr System finden Sie auf der Download-Seite.

Die Verbindung läuft über VLESS + REALITY, XHTTP, Hysteria2 und Shadowsocks. Welches Protokoll und welche Route zum Einsatz kommen, entscheidet die App.

Wenn etwas am VPN vorbeilaufen soll, nutzen Sie Split-Tunneling. Tippen Sie oben auf dem Hauptbildschirm auf „Tunnel“ und wählen Sie „Manuell“. Dort tragen Sie IP-Adressen, Subnetze oder Domains ein, je eine pro Zeile, und diese Adressen werden direkt verbunden. Auf Android können Sie außerdem Apps auswählen, die das VPN umgehen.

Split-Tunneling in der Bebra-App auf dem iPhone mit dem Modus „Manual“ und einer Liste von Domains
Im manuellen Modus verbinden sich die Domains aus der Liste ohne VPN.

Jeder Tarif umfasst alle 187 Länder, und Sie können beliebig viele Geräte verbinden. Zum Einstieg gibt es den Testzugang für 10 ₽. 3 Tage voller Zugriff, danach 500 ₽ pro Monat. Das Abo verlängert sich automatisch.

Fragen und Antworten

Verbirgt ein Proxy im Browser meine IP-Adresse vor allen Websites?

Nur vor den Seiten, die Sie in diesem Browser öffnen. Andere Programme auf Ihrem Gerät gehen direkt ins Internet und zeigen Ihre echte Adresse. Ein VPN ändert die Adresse für alle Programme auf einmal.

Wozu dient die Proxy-Option in den WLAN-Einstellungen meines Handys?

Das ist ein HTTP-Proxy für genau dieses WLAN. Ihr Browser und Apps, die die Proxy-Einstellungen des Systems auslesen, nutzen ihn, bei mobilen Daten und in anderen Netzen gilt er aber nicht. Eine eigene Verschlüsselung bringt er nicht mit.

Was ist riskant an einem kostenlosen Proxy aus einer Liste im Netz?

Sie wissen nicht, wer ihn betreibt. In einer Studie von 2018 zu offenen HTTP-Proxys schleuste etwa jeder zwanzigste Werbung oder Tracking-Code in die durchgeleiteten Seiten ein oder leitete auf Seiten mit Schadsoftware um. Wie sich ein solcher Server finanziert, steht in keiner Liste.

Warum funktioniert mein Browser über einen Proxy, eine App aber nicht?

Viele Apps lesen die Proxy-Einstellungen nicht aus oder senden einen Teil ihrer Daten über UDP, und das leitet ein gewöhnlicher HTTP-Proxy nicht weiter. Ein VPN setzt auf Systemebene an, deshalb laufen diese Apps meist ohne zusätzliche Einrichtung darüber.

Ist Bebra ein Proxy oder ein VPN?

Ein VPN. Die App fügt Ihrem System ein VPN-Profil hinzu, verschlüsselt den Datenverkehr des ganzen Geräts und wählt Protokoll und Route selbst. Browser und andere Programme müssen Sie nicht einrichten.

Kirill Zimin

Zur Person

Kirill Zimin

Autor für VPN-Grundlagen

Erklärt in einfachen Worten, was ein VPN ist, wann es nützt und wo seine Grenzen liegen.

Die Bebra-App

Apps für iPhone und iPad, Android, Windows, Mac, Linux, Android TV und Apple TV. Ein Abo gilt für beliebig viele Geräte, und jeder Tarif umfasst alle 187 Länder.